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Im Jahr 2015 wurden die Auswirkungen vergangener und akuter Kriege für uns in Europa direkt erfahrbar. Ein geringer Teil der 60 Millionen Flüchtlinge, die das UNHCR weltweit registriert, kam über das Mittelmeer und die Balkanroute nach Deutschland.

Die Bundesregierung ließ die Grenzen offen und die Mehrheit der Bevölkerung reagierte mit einer großen Welle von Solidarität und Hilfsbereitschaft. Gleichzeitig äußern sich Bürger besorgt und unter kritische Kommentare mischt sich offener Rassismus. Es geht ein Riss durch die Gesellschaft, in Deutschland und ganz Europa.

Eine innereuropäische Grenze zu passieren ist für junge palästinensische und israelische Erwachsene bei Ausflügen nach Brüssel oder Maastricht immer ein besonderer gemeinsamer Moment: Keine Kontrollen, keine Grenzbefestigung, aber freie Fahrt. Manche jubeln aufgeregt, einige werden nachdenklich, viele schöpfen Hoffnung: „Wenn die Europäer nach ihren zerstörerischen Kriegen so miteinander leben können, dann werden wir das auch schaffen!“

Frieden und offene Grenzen, diese für uns so selbstverständlichen Errungenschaften, geraten ins Wanken und scheinen plötzlich verhandelbar.

Für die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projekts waren Frieden und Beständigkeit noch nie selbstverständlich. Und Kriege in Syrien und anderen Teilen der Welt rauben gerade wieder Generationen junger Menschen ihr Vertrauen in die Zukunft.

Ferien vom Krieg ermöglicht jungen Menschen einen selbstbestimmten Dialog. Die politische Entwicklung im ehemaligen Jugoslawien und im Nahen Osten schafft unterschiedliche Bedingungen für die Begegnungen.

Der Konflikt in Israel und Palästina hat in den letzten wenigen Jahren eine Dynamik entwickelt, die sich nicht mehr allein in Hass, sondern in völliger Missachtung der anderen als Menschen äußert. Über seine Arbeit bei einem Dialogseminar sagte ein Mitarbeiter, die komplexe und echte Begegnung zwischen Israelis und Palästinensern schaffe „einen Funken Vernunft inmitten all des gewalttätigen Wahnsinns“.

Im ehemaligen Jugoslawien verstehen sich die Teilnehmer von Ferien vom Krieg als Brückenbauer zwischen ihren Gesellschaften, aber auch zwischen den Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung. „Was uns zusammenbrachte, war der Krieg und seine Auswirkungen auf die Menschen in unseren Ländern. Viele sind der Ansicht, wir jungen Leute verständen diese Zeit nicht richtig, weil wir sie nicht selbst erlebt haben. Aber ihre Konsequenzen verstehen wir sehr gut und wir leiden darunter.“

Dialog bedeutete für alle Beteiligten einen Schritt hinaus aus der Hilflosigkeit gegenüber der Politik von Krieg und Gewalt, eine Möglichkeit, selbst tätig zu werden: in ihren Familien, ihren Freundeskreisen oder ihren Gesellschaften.