Home > Teilnehmer*innen > Interview mit Kahled* aus Palästina, 2013

*Name geändert

Im Namen Gottes, des Barmherzigen, bin ich gekommen. Mein Name ist Mahmud. Ich komme aus Palästina; ich komme hierher, weil unsere Religion uns dazu aufruft, die Menschen mit Frieden zu begrüßen, um Tod und Elend von Kindern und von Unbeteiligten abzuwenden. Und besonders, damit das deutsche Volk und die israelischen Teilnehmer wissen, dass wir das Recht auf die Gründung eines eigenen Staates haben. Ich nehme zum ersten Mal an einer solchen Begegnung mit Israelis im Ausland teil, ich habe damit noch keine Erfahrungen. Aber bei uns in Palästina kann jedes Kind fast vom ersten Jahr an Politik verstehen, weil es um seine eigene Existenz geht.

Was möchten Sie von hier mit nachhause nehmen?

Ich würde meinen Landsleuten gerne erzählen, dass ich von der israelischen Seite Leute getroffen habe, die versuchen wollen, etwas zu ändern. Damit wir ein besseres Leben haben und unsere Rechte gewährt werden.

Hatten Sie vorher schon einmal persönliche Begegnungen mit Israelis?

Ja, aber als Gefangener. Ich saß in Israel im Gefängnis, und der Gefängniswärter war ein Israeli. Die Beziehung zwischen mir und diesem Israeli war nicht auf Augenhöhe, sondern er war der Stärkere.

Und wie ist die Begegnung jetzt? Wie empfinden Sie das?

Durch die Begegnung hier habe ich gemerkt, dass wir die Geschichte unterschiedlich wahrnehmen und interpretieren. Unsere „Nakhba“ zum Beispiel, die Katastrophe 1948, ist für sie ein Feiertag, an dem sie in Israel ihre Unabhängigkeit feiern. Daneben gibt es noch andere Unterschiede – ich kann bis zur fünften oder sechsten Generation die Namen meiner palästinensischen Vorfahren nennen. Bei ihnen hört es bei der zweiten oder dritten Generation auf. Denn die anderen Vorfahren kamen aus Polen, aus Russland, aus Holland, nicht aus diesem Land.

Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?

Die Palästinenser, die PLO, vertreten von dem Märtyrer Arafat, haben mit Israel in Oslo ein Friedensabkommen unterschrieben. Arafat und Rabin haben den Friedensnobelpreis bekommen; was ist passiert – nichts. Gucken Sie mal, wie wir in Palästina, in der Westbank, leben, auf wie wenig Quadratkilometern, und wie groß die Siedlungen sind. Nach Arafat kam Mahmud Abbas als Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde, und sein Ziel ist es, die Gewaltanwendung von beiden Seiten zu beenden. In der Westbank hat er alle kämpfenden Gruppen aufgelöst. Jetzt ist er sogar von der Hamas beauftragt, im Namen des palästinensischen Volkes mit Israel zu verhandeln, damit wir eine friedliche Lösung finden, in Form eines Staates mit der Hauptstadt Jerusalem.

Was ist Ihr ganz persönlicher Traum von einer Zukunft?

Mein Traum ist, dass ich lebe, glücklich lebe, dass ich Kinder bekomme, dass ich mich bewegen kann, dass ich genug Wasser habe, dass ich mich jeden Tag duschen kann, anders als jetzt. Dass ich mich in meiner Heimat von Ort zu Ort bewegen kann ohne Checkpoints, ohne Schikanen. Dass meine Kinder lernen können, genug Geld haben, genug Arbeit, das ist mein Traum.

Gibt es denn wenigstens bei diesem Treffen ein besseres Verständnis zwischen beiden Seiten?

Ich hoffe, dass die Israelis hier ihren Landsleuten erklären, dass sie Palästinenser getroffen haben, die das Leben lieben, die auch Frieden wollen, Frieden und Glück für ihre Kinder. Genau wie alle anderen Menschen auf der Welt, nicht mehr und nicht weniger.