Gemeinsam für den Frieden

Mit „irgendwo zwischen Krieg und Frieden“ beschrieb der serbische Sänger und Friedensaktivist Milan 2013 die Situation im ehemaligen Jugoslawien bei einem Auftritt im Rahmen einer großen Feier mit ehemaligen Teilnehmer*innen im bosnischen Tuzla zum 20-jährigen Bestehen des Projekts Ferien vom Krieg in der Region.

Auch mehr als 25 Jahre, nachdem der Krieg in der Region durch den Vertrag von Dayton beendet wurde, herrscht immer noch kein Frieden in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien.

Die Jugendlichen, die an den vielfältigen Aktivitäten des Projekts teilnehmen, haben den Krieg nicht mehr erlebt, aber seine Auswirkungen bestimmen ihr Leben. Die Infrastruktur und die wirtschaftlichen Beziehungen wurden zerstört, es mangelt an Perspektiven für die Zukunft, in allen drei Ländern liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei ca. 40%. In der Politik sind die alten Kräfte wieder an der Macht, nationalistische Töne bestimmen das politische Klima.

Die „Andern“ kennenlernen

Die Arbeit von Ferien vom Krieg zielt einerseits darauf ab, Jugendliche aus den verschiedenen Ländern und ethnischen Gruppen zusammenzubringen und Vorurteile und Hass abzubauen. Andererseits will das Projekt langfristige Kontakte stärken und gemeinsamen Aktivismus für Grund- und Menschenrechte, die Aufarbeitung der Vergangenheit und ein friedliches Zusammenleben fördern.

Viele Jugendliche wollen ihr Leben nicht mehr durch die Vergangenheit und die Spaltung nach ethnischen Kategorien bestimmt sehen – hier setzt das Projekt Ferien vom Krieg an.

Teilnehmer*innen bei einem
Workshop über die vergangenen Kriege

Bei jährlichen Jugendbegegnungen treffen sich Jugendliche aus Serbien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina und bekommen die Möglichkeit, aus den alten Denkmustern auszubrechen. Sie lernen „Anderen“ kennen, diskutieren in Workshops über ihre gemeinsame Geschichte und stellen fest, dass es nicht nur eine, sondern mindestens drei Wahrheiten über die historischen Ereignisse gibt. Die gemeinsame Zeit gibt ihnen Mut und Hoffnung für eine bessere Zukunft und die Erkenntnis, dass sie selbst etwas dafür tun können.

Friedensperformance in Sombor 2018

Das setzen sie in ihren Heimatstädten um: mit Friedensmärschen, öffentlichen Auftritten, Infoständen oder Ausstellungen – und vielfältigen weiteren Nachfolgeaktivitäten. Mit der Zeit hat sich die Arbeit vor Ort verstetigt: 2014 gründeten unsere Partnerorganisationen in Serbien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina das grenzüberschreitendes Jugendnetzwerk „Youth United in Peace (YU-Peace)“. Da YU das alte Länderkürzel für Jugoslawien war, verstehen die Menschen auf dem Balkan, dass es hier nicht ganz allgemein um Frieden geht, sondern um das friedliche Zusammenleben der Menschen in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien. Inzwischen hat YU-Peace eine eigene Webseite und vernetzt sich mit anderen Menschenrechtsorganisationen der Region.

Workshop zu Menschenrechtsaktivismus 2019

2019 begeisterte  Sofija Todorovic von der „Youth Initiative for Human Rights-Serbia“ bei der Begegnung in Split mit den Berichten über konkrete Aktionen. Ajna Jusic stellte ihre Organisation „Vergessene Kinder des Krieges“ (vor, in der sich vergewaltigte Frauen und ihre Kinder dafür einsetzen, offen mit den Konsequenzen der Massenvergewaltigungen umzugehen. Unsere serbische Partnerorganisation Link organisiert gemeinsam mit YU-Peace und Medica Mondiale Anfang Februar 2020 eine Konferenz zu diesem Thema.