Nachfolgeaktivitäten – Das Netzwerk Youth United in Peace

Nach der Teilnahme an der Begegnungs-Freizeit am Meer in Basko Polje haben viele Jugendlichen das Bedürfnis, die neuen Freundschaften aufrecht zu erhalten, und das erlebte Gefühl der Gemeinsamkeit zu Hause zu verbreiten. Schon am Meer verabreden sie gleichzeitige Aktionen in ihren Heimatstädten. Zweimal fuhren alle auf dem Heimweg einen weiten Umweg, um die Teilnehmer aus Gornji Vakuf-Uskoplje zu unterstützen. Hier leben Kroaten und Bosniaken bis heute getrennt, eine unsichtbare, aber immer präsente Linie teilt die Stadt. Die Jugendlichen zeigten dort mit einem Friedensmarsch durch die geteilte Stadt ihren Wunsch nach einer Aufhebung dieser Trennung.

Die Jugendlichen reagieren auch auf aktuelle politische Entwicklungen in ihren Ländern. 2013 war die Situation in Vukovar sehr angespannt, weil eine Initiative kroatischer Veteranen ein Referendum anstrengte, das die zusätzliche Beschilderung öffentlicher Gebäude in kyrillischer Schrift (neben lateinischer) verhindern sollte. Der Anteil der serbischen Minderheit in der Stadt hatte sich vergrößert, wodurch laut Gesetz Beschilderungen ab sofort zweisprachig sein mussten. Gegen die nationalistischen Anfeindungen, die Zerstörung der Schilder und die in der Luft liegende Gewalt protestierten die Teilnehmerinnen mit einem Friedensmarsch durch ihre Stadt.

Am ersten Schultag nach den Ferien tragen viele TeilnehmerInnen in allen fünf Städten ihre am Meer gemalten T-Shirts mit dem gemeinsamen Slogan ihrer Begegnung. Auch viele TeilnehmerInnen der Vorjahre kommen mit ihren T-Shirts in die Schule, um ihre Verbundenheit auszudrücken. Jedes Jahr organisieren sie an demselben Tag in ihren Städten Friedensmärsche, um für ein friedliches Zusammenleben zu werden. 2016 bastelten sie 1000 Origami-Friedenstauben, die sie in Sombor bei einem öffentlichen Auftritt an die Bevölkerung verteilten.

Damit sich diese besonders aktiven ehemaligen TeilnehmerInnen treffen und gemeinsame Aktivitäten für die Zukunft planen können, organisieren sie jedes Jahr ein gemeinsames Camp. Dieses findet reihum in den beteiligten Städten statt und ermöglichen, dass die friedenspolitischen Ziele noch stärker im alltäglichen Leben der Jugendlichen verbreitet werden. Die Medien berichten ausführlich über die Camps, mehrmals wurden die Teilnehmer von einem Bürgermeister empfangen und es fanden Treffen mit örtlichen Jugendorganisationen statt.

Im Sommer 2015 plante die Gruppe das Camp in Srebrenica, um am 20. Jahrestag des Massakers für ein friedliches Zusammenleben einzutreten. Viele Eltern hatten Angst, ihre Kinder in diese bosnische Stadt reisen zu lassen, die zum Inbegriff des Krieges wurde. Einige Teilnehmer sagten ab, um ihren Familien Sorgen zu ersparen. Weil das gebuchte Hotel zwei Tage vor der Anreise wegen eines Steuervergehens geschlossen wurde, musste die Gruppe im nahegelegenen Tuzla wohnen, aber die Jugendlichen besuchten gemeinsam die Gedenkstätte für die muslimischen Opfer des Massakers in Potocari und einen Gedenkraum für im Krieg getötete Serben.

Die Jugendlichen zeigten außerdem ihre Solidarität mit den ArbeiterInnen einer Fabrik in Tuzla, die sich gegen deren Schließung stemmen, indem sie die Fabrik seit 3 Jahren besetzt halten und in eigener Regie weiter produzieren. Die Gruppe arbeitete einen Tag lang in der Fabrik mit und erregte viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Dass serbische, kroatische und muslimische Jugendliche gemeinsam auftreten und aktiv werden, ist in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien bis heute sehr ungewöhnlich.

Drei Länder, fünf Städte- ein gemeinsames Netzwerk

Um die Zusammenarbeit über die Grenzen weiter voran-treiben und stärker sichtbar machen zu können, gründeten unsere Partner-organisationen im Sommer 2014 ein gemein-sames Jugendnetzwerk  mit dem Namen Youth United in Peace, das mit einem gemeinsamen Logo in Serbien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina auftritt. Am 8. Dezember 2016, gute zwei Jahre nach seiner Gründung erhielt Youth United in Peace den „Krunoslav Sukić-Preis“ des „Zentrums für Frieden, Gewaltfreiheit und Menschenrechte“ in Osijek, Kroatien. Dies ist eine wunderbare Ermutigung für die jungen FriedensaktivistInnen und zeigt, wie wichtig die jungen Menschen für eine friedliche Zukunft in ihren Ländern sind. In ihrer Erklärung zur Preisverleihung schrieben die Preisgeber:

„ (…)Youth United in Peace. Der Satz klingt unwirklich. In dieser Zeit und Region verwehrt der Nationalchauvinismus allen das Recht in die Zukunft zu blicken, die sich nicht hauptsächlich mit der Vergangenheit beschäftigen und sie aus dem Blickwinkel ihrer Ideologie sehen. Youth United in Peace erscheint da wie eine Plattitüde. Und es wäre eine Plattitüde, wenn nicht reale junge Leute hinter diesen Worten ständen. Sie haben keine Angst davor, in die Vergangenheit zu blicken. Es braucht Mut, sich anzusehen, was in dieser Gegend geschehen ist, und das auf eine Weise, die Türen öffnet für eine andere Zukunft. Es braucht Mut, sich zu treffen, sich kennenzulernen und nahezukommen, ehrlich zu sein, gemeinsam aktiv zu werden und die neu entstandenen Grenzen zu überwinden.(…)“

Innerhalb von nur zwei Jahren ist aus YU-Peace ein starkes Netzwerk geworden, das Nachfolgeaktivitäten, wie beispielsweise die Camps für ehemalige Teilnehmende oder die Wochenendbesuche in die verschiedenen Städte, selbst plant und durchführt und mittlerweile sogar eigenständige Finanzierungsanträge für Aktivitäten stellt. 2016 konnte so ein schon länger gehegter Plan verwirklicht werden. Da einer der Mitarbeitenden einen erfolgreichen Finanzierungsantrag gestellt hatte, konnte zusätzlich ein Treffen für junge Erwachsene in Tuzla, Bosnien-Herzegowina, stattfinden. Diese jungen Erwachsenen hatten vor Jahren an einer Begegnung teilgenommen, dann aber für Studium und Arbeit ihre Heimatstädte verlassen. Einige hatten an ihren Unis im Sinne des Projekts weitergearbeitet, andere den Kontakt völlig verloren. Alle waren überglücklich, sich wiederzusehen, ihre Erfahrungen auszutauschen und über gemeinsame Aktivitäten zu diskutieren. In Workshops erarbeiteten sie, wie das Netzwerk Jugendliche aus weiteren Städten einbinden kann, und stellten Finanzierungsanträge für zukünftige Aktivitäten.