Für meine Identität gibt es zehn Bezeichnungen

 

(Autor: Hosam Mazzawi) Jeder Versuch, meine Identität zu beschreiben, ergibt ein totales verwirrendes Bild. Die vier Kategorien Nationalität, Religion, Staatsangehörigkeit und Sprache, verteilen sich bei mir so: Ich bin Araber, weil meine Muttersprache arabisch ist.

Christ bin ich, weil meine Eltern Christen sind, und Palästinenser wegen der Herkunft meiner Großeltern. Das ist meine Familiengeschichte, aber nach der Staatsangehörigkeit bin ich Israeli. Wenn mich jemand nach meiner Nationalität fragt, antworte ich: „Ich bin ein Palästinenser, der in Israel lebt“. Ich besuchte eine christliche Schule für Christen und Muslime. Kämpfe zwischen den Religionsgruppen gehörten für Schüler und Lehrer zum Alltag.

Meine Vater hatte jüdische Freunde und ich auch. Ich lernte ihre Sprache und Geschichte und verliebte mich in hebräische Literatur und Musik. In dieser Zeit begann ich, die arabische Gesellschaft und ihre Sprache zu hassen, wegen der Probleme und Kämpfe.

Meine Eltern sprachen nie mit mir über Nationalität oder Identität. Also traf ich diese Entscheidungen alleine, wobei sich meine Definition für Identität ständig änderte.

Mit 16 fühlte ich mich als Israeli, aber als ich mit 18 die Schule beendete, erkannte ich, dass die Gesellschaft mich nicht als Israeli akzeptierte. Also definierte ich mich über meine Religion, die einzige Kategorie, die sicher feststand. Aber das bedeutete, meine reale Herkunft zu ignorieren, deshalb machte ich mich auf die Suche nach einer Definition, die wirklich zu mir passte.

Am Ende dieses Weges stand die Erkenntnis, dass es für die Araber in Israel keine solche generelle Definition gab, ich fand mindestens zehn verschiedene Bezeichnungen:

  • Araber
  • arabischer Israeli
  • israelischer Araber
  • Palästinenser
  • palästinensischer Israeli
  • israelischer Palästinenser
  • Christ oder Moslem
  • muslimischer Israeli
  • israelischer Moslem
  • ein Palästinenser, der in Israel lebt, und noch viele mehr.

Wenn ich durch Ägypten reise oder Ramallah und Jenin besuche, werde ich wegen meiner israelischen Staatsangehörigkeit gehasst und muss sie verbergen. Die Leute erwarten, dass ich mich als Palästinenser fühle und Israel missachte, und ich muss aufhören, hebräisch zu sprechen, was unmöglich ist, wenn ich mit Freunden zusammen bin.

Also beschloss ich, dass ich „ein Palästinenser bin, der in Israel lebt“. Wer das nicht mag, muss sehen, wie er damit zurechtkommt.