Kurze Historie des Projekts Ferien vom Krieg

1991, als die Kriege im ehemaligen Jugoslawien begannen, unterstützte das Komitee für Grundrechte und Demokratie Friedensgruppen und Deserteure aller Seiten in der Region. Mit der Kampagne „Den Winter überleben“ wurde eine große Summe zur Unterstützung von Binnenvertriebenen und geflüchteten Personen gesammelt. Als Hanne und Klaus Vack Hilfsgüter in die Flüchtlingslager brachten, fiel ihnen die schwierige Lage der Kinder auf: Viele waren verletzt, traumatisiert und unterernährt; sie lebten in überfüllten, unhygienischen Quartieren. Es entstand die Idee, diesen Kindern zumindest 14 Tage „Ferien vom Krieg“ zu ermöglichen: in einer schönen Umgebung, einer anständigen Unterkunft, mit guter Ernährung und liebevoller Betreuung. Und sie sollten dabei die Kinder der „Anderen“ kennenlernen, die ganz ähnliche Schicksale teilten. 1994, während auf dem Festland noch gekämpft wurde, lud das Komitee für Grundrechte und Demokratie so bosnische und kroatische Waisen und vertriebene Kinder zu einer 14-tägigen Erholungsfreizeit auf die Insel Hvar ein. Dies war der Beginn des Projekts Ferien vom Krieg.

Seitdem finden diese Begegnungen jeden Sommer statt. Seit 2002 lädt das Projekt keine Kinder mehr ein, sondern Jugendliche, die so ihre grenzüberschreitenden Freundschaften auch gegen den Willen ihres Umfeldes aufrechterhalten können und sich gemeinsam mit der gewaltvollen Vergangenheit und der aktuellen politischen Situation auseinandersetzen. In fünf Städten arbeiten unsere Partnerorganisationen in Serbien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina kontinuierlich für ein friedliches Zusammenleben. 2014 gründeten sie das Jugendnetzwerk „Youth United in Peace“, das 2016 für seine Arbeit mit dem „Krunoslav Sukic Preis für den Einsatz für Frieden, Gewaltfreiheit und Menschenrechte“ ausgezeichnet wurde. Im ehemaligen Jugoslawien konnten sich bis heute mehr als 23.000 Kinder und Jugendliche kennenlernen, miteinander diskutieren und zusammen feiern.

Anfang der 2000er Jahre, als sich die Lage in Israel und Palästina immer weiter zuspitzte und die zweite Intifada begann, entschied Ferien vom Krieg, sein Konzept auf eine weitere Konfliktregion auszuweiten. Kenner*innen der Region im Umfeld des Projekts waren skeptisch und vielfach der Meinung, dass solche Dialoge auf Graswurzelebene für den israelisch-palästinensischen Kontext nicht umsetzbar seien – die Situation sei zu angespannt, es würden sich vor Ort keine Partner*innen für solche Projekte finden. Entgegen dieser Zweifel fanden sich unterschiedliche Partner(-organisationen) und das erste Seminar 2002 war so erfolgreich, dass beschlossen wurde, weitere Gruppen zu Dialogen nach Deutschland einzuladen. Während der letzten 15 Jahre hat Ferien vom Krieg mit unterschiedlichen Partner*innen zusammengearbeitet. Ca. 2300 junge Menschen nahmen an den Dialogen bisher teil. Aktuell finden jährlich zwei Seminare statt, eines davon nur für Frauen*, das andere ist für alle Geschlechter offen.