Erstbegegnungen

Die Begegnungs-Freizeiten

Zu den Begegnungen laden wir Jugendliche aus Rahovec (Kosovo) nach Ulcinj (Montenegro) ans Meer ein. Im Kosovo könnten die Begegnungen nicht stattfinden, für die Roma- und serbischen TeilnehmerInnen erscheint es uns wichtig, einen ‚neutralen‘ Ort zu wählen, denn nur wenn alle gleich behandelt werden und sich gleich behandelt fühlen, und die Rahmenbedingungen so gestaltet sind, dass sich die TeilnehmerInnen auf Augenhöhe begegnen können, kann ein ‚Dialog über Grenzen hinweg‘ gelingen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Die TeilnehmerInnen sind 14-17 Jahre alt und kommen alle aus derselben Stadt bzw. aus den umliegenden Dörfern, darunter der serbischen Enklave Velika Hoca. Ausgewählt werden sie von unserer Partnerorganisation mit der Vorgabe, dass die Hälfte von ihnen aus albanischen Familien kommt und je ein Viertel aus serbischen und Roma-Familien. Im Sommer 2015 werden – wenn überhaupt - nur sehr wenige Roma-Jugendliche dabei sein, denn im Rahmen der aktuellen Fluchtbewegung aus dem Kosovo verließen fast alle Roma-Familien die Stadt.

Partnerorganisation

Mit unsere Partnerorganisation Youth for Tomorrow (Rahovec) arbeiten wir seit 2003 zusammen, 2005 übernahm Nazrije Sharku die Koordination. Sie und ein mittlerweile sehr junges Team, das sich aus ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern von ‚Ferien vom Krieg‘ zusammensetzt, wählen die Jugendlichen für die Begegnungsfreizeiten aus. Das Team aus Rahovec übernimmt die gesamte Vorbereitung und führt auch die Begegnungen - in inhaltlicher und organisatorischer Absprache mit uns - durch.

Zwei gemeinsame Wochen in Montenegro

Die Jugendlichen begegnen sich in der Regel von Beginn an bei den gemeinsamen Aktivitäten wie Workshops, Sport oder Spielen freundlich interessiert – gleichzeitig gibt es aber die Tendenz, sich beispielsweise bei den Mahlzeiten in ihre jeweiligen Communities zurückzuziehen. Oft dauert es mehr als eine Woche, bis das Gemeinsame auch im Alltag umsetzt wird. Gerade deshalb erscheint es uns wichtig, dass die TeilnehmerInnen bei den Begegnungen tatsächlich zwei Wochen lang den Alltag miteinander teilen und unter einem Dach leben. So können sie erleben, dass die ‚Anderen‘ nicht nur dieselben Filme oder die gleiche Musik mögen, viele nutzen Gelegenheiten, zum Beispiel bei nächtlichen Gesprächen, sich mit den ‚Anderen‘ über Wünsche, Hoffnungen und Lebensträume auszutauschen und erkennen dabei, wieviel Gemeinsames es gibt.

Gemeinsames aber auch Trennendes wird systematisch in Workshops mit Themen wie „Sozialisation“‚ „Eskalation und Abbau von Konflikten“ oder „Religionen – Gemeinsamkeiten und Unterschiede“. Insbesondere das Religionsthema nehmen viele Teilnehmer interessiert auf, und sie verbringen oft Stunden damit, über die Besonderheiten der einzelnen Religionen zu reden. Verglichen werden dabei natürlich vor allem die eigenen, also Christentum und Islam. Die meisten inhaltlichen Workshops werden von Teammitgliedern aus dem Kosovo vorbereitet, in der Regel werden die Themen aber sehr bald von den Jugendlichen aufgenommen und eigenständig weiter bearbeitet. Sport-, Tanz, Theater- und andere kreative Workshops bieten einzelne TeilnehmerInnen oft selbst an.

Im Laufe der Begegnung am Meer, können die meisten Jugendlichen immer weniger verstehen, wieso es hier so leicht ist, den Alltag zu teilen, während sie daheim in Rahovec noch nie wirklich voneinander Notiz nahmen. Gleichzeitig wird aber auch immer wieder deutlich, dass kleinste Irritationen (eine Community scheint bevorzugt zu werden) tiefsitzende Vorurteile und Ressentiments an die Oberfläche spülen. Dies in der konkreten Situation zu reflektieren und sich wenn möglich zusammen darüber auszutauschen, gehört zu den großen Stärken der Begegnungen. Die Begegnungen sind dann ein Erfolg, wenn Jugendliche davon etwas mit in ihr Leben in Rahovec nehmen — so wie Danica, die schreibt: Glücklicherweise gibt es Menschen, die ungeachtet ihrer Hautfarbe, Religion oder Nationalität für den Weltfrieden eintreten und die glauben, dass alle Menschen das Recht haben, glücklich und gesund zu leben. Dass ich Teil dieser wunderbaren Gemeinschaft bin, macht mich sehr stolz