Aktivitäten vor Ort

Die Camps für ehemalige TeilnehmerInnen und die Arbeit in den Heimatstädten

Nach der Teilnahme an der Begegnungs-Freizeit am Meer in Basko Polje haben viele Jugendlichen das Bedürfnis, die neuen Freundschaften aufrecht zu erhalten und das erlebte Gefühl der Gemeinsamkeit zu Hause zu verbreiten. Schon am Meer verabreden sie gleichzeitige Aktionen in ihren Heimatstädten. Zweimal fuhren alle auf dem Heimweg einen weiten Umweg um die Teilnehmer aus Gornji Vakuf-Uskoplje zu unterstützen. Hier leben Kroaten und Bosniaken bis heute heute getrennt, eine unsichtbare, aber immer präsente Linie teilt die Stadt. Die Jugendlichen unterstrichen dort mit einem Friedensmarsch durch die geteilte Stadt ihren Wunsch nach einer Aufhebung dieser Trennung.

Am ersten Schultag nach den Ferien tragen die Teilnehmer in allen fünf Städten ihre am Meer  gemalten T-Shirts mit dem gemeinsamen Slogan ihrer Begegnung. Auch die TeilnehmerInnen der Vorjahre kommen mit ihren T-Shirts in die Schule, um ihre Verbundenheit auszudrücken.

Die Jugendlichen reagieren auch auf aktuelle politische Entwicklungen in ihren Ländern. 2013 war die Situation in Vukovar sehr gespannt, weil eine Initiative kroatischer Veteranen ein Referendum anstrengte, das die Beschilderung öffentlicher Gebäude nicht nur in lateinischer, sondern auch in kyrillischer Schrift verhindern sollte. Der Anteil der serbischen Minderheit in der Stadt hatte sich vergrößert, wodurch laut Gesetz Beschilderungen ab sofort zweisprachig sein mussten. Gegen die nationalistischen Anfeindungen, die Zerstörung der Schilder und die in der Luft liegende Gewalt protestierten die Teilnehmerinnen mit einem Friedensmarsch durch ihre Stadt.

Damit sich diese besonders aktiven ehemaligen TeilnehmerInnen treffen und gemeinsame Aktivitäten für die Zukunft planen können, organisieren sie jedes Jahr ein gemeinsames Camp. Dieses findet reihum in den beteiligten Städten statt. Dadurch werden die friedenspolitischen Ziele noch stärker im alltäglichen Leben der Jugendlichen verbreitet. Die Medien berichten ausführlich über die Camps, mehrmals wurden die Teilnehmer von einem Bürgermeister empfangen und es fanden Treffen mit örtlichen Jugendorganisationen statt.

Im Sommer 2015 plante die Gruppe das Camp in Srebrenica, um am 20. Jahrestag des Massakers für ein friedliches Zusammenleben einzutreten. Viele Eltern hatten Angst, ihre Kinder in diese bosnische Stadt reisen zu lassen, die zum Inbegriff des Krieges wurde. Einige Teilnehmer sagten ab, um ihren Familien Sorgen zu ersparen. Weil das gebuchte Hotel zwei Tage vor der Anreise wegen eines Steuervergehens geschlossen wurde, musste die Gruppe im nahegelegenen Tuzla wohnen, aber die Jugendlichen besuchten gemeinsam die Gedenkstätte für die muslimischen Opfer des Massakers in Potocari und einen Gedenkraum für im Krieg getötete Serben.

Die Jugendlichen zeigten außerdem ihre Solidarität mit den ArbeiterInnen einer  Fabrik in Tuzla, die sich gegen deren Schließung stemmen, indem sie die Fabrik seit 3 Jahren besetzt halten und in eigener Regie weiter produzieren. Die Gruppe arbeitete einen Tag lang in der Fabrik mit und erregte viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Dass serbische, kroatische und muslimische Jugendliche gemeinsam auftreten und aktiv werden, ist in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien bis heute sehr ungewöhnlich.

Auslöser einer länderübergreifenden Debatte

Das merkten die Teilnehmer 2012, als sie bei der Begegnung am Meer eine Performance zum Lied „Es darf keinen Krieg mehr geben“ des Sängers Dorde Balasevic einstudierten und in Dubrovnik aufführten. Balasevic hatte dieses Lied 1986 geschrieben, um vor dem drohenden Krieg zu warnen. Die Jugendlichen stellten ein Video dieses Auftritts ins Internet und lösten damit eine Debatte in ihren Ländern aus: Alleine in den ersten zwei Wochen wurde der Clip rund 70.000 mal angeklickt, die großen Tageszeitungen aller drei Länder übernahmen ihn in ihre elektronischen Ausgaben und in 129 Internet-Foren wurde heftig darüber diskutiert. Es gab nationalistische Anfeindungen, aber auch viel begeisterte Unterstützung für die Aktion, zahlreiche Kommentatoren setzten sich mit ihrer eigenen Rolle vor, während und nach dem Krieg auseinander: Diese Jugendlichen singen nicht nur gemeinsam, sie wollen ohne Vorurteile zusammen leben, und wer aus welchem Land kommt, ist kein Problem für sie. Wir Erwachsenen vergiften ihre Herzen mit Hass und Vorurteilen, diese Camps wären eigentlich für uns sinnvoll, nicht für die Jugend. Wir sollten lernen, Liebe und Freundschaft zu teilen.

 

 

 

 

 

 

 

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